Die Vor- und Nachteile von Dropshipping

30 August, 2021

E-Commerce Logistik Dropshipping

Kein Lager, keine Kommissionierung, kein Versand: Mit Dropshipping können Sie sich als Onlinehändler auf das Wesentliche konzentrieren – wenn Sie ein paar Dinge berücksichtigen.

 

Gerade Neueinsteiger im E-Commerce können sich mit Dropshipping recht schnell und ohne großes Startkapital auf dem Markt etablieren. Denn sich um nichts weiter als den Webshop und das Marketing kümmern zu müssen, während ein Dritter die gesamte Warenlogistik erledigt, erleichtert das Geschäft enorm. Natürlich hat das Ganze aber auch seine Nachteile – es ist also wichtig zu wissen, worauf Sie sich mit Dropshipping einlassen.

Welche Vorteile diese Art des Onlinehandels bietet, worauf es zu achten gilt und welche Fallstricke Dropshipping bereithält, erfahren Sie in diesem Blog.

 

Was ist Dropshipping denn eigentlich?

Beim Dropshipping, früher auch als Streckengeschäft bekannt, verkaufen Sie über Ihren Onlineshop Produkte, die Sie selbst gar nicht auf Lager haben. Stattdessen überlassen Sie die komplette Warenlogistik dem Dropshipping-Anbieter, der meist der Hersteller oder ein Großhändler ist.

Tätigt ein Kunde eine Bestellung, wird diese automatisch an den Hersteller bzw. Großhändler weitergeleitet. Dieser kümmert sich dann darum, die bestellte Ware ordnungsgemäß an den Kunden zu versenden. Dabei ist dem Kunden nicht klar, dass nicht Sie es sind, der die bestellten Produkte verschickt, sondern ein Dritter. Anhand der Versandverpackung ist das auch nicht ersichtlich; darauf ist im besten Fall sogar Ihr Branding zu sehen.

Anschließend stellt der Hersteller dem Händler, also Ihnen, die Ware in Rechnung. Sie haben diese natürlich schon längst an den Kunden weiterverkauft und streichen die Preisdifferenz als Marge ein. Sie kümmern sich als eine Art Zwischenhändler also vor allem um den Shop und das Marketing, während der Dropshipping-Anbieter die Logistik übernimmt - nur dass der Kunde davon nichts weiß und den Kaufvertrag ausschließlich mit Ihnen abschließt.

Sie selbst bekommen das bestellte Produkt dabei zu keinem Zeitpunkt zu sehen und müssen sich darauf verlassen, dass der Hersteller die Ware schnell und einwandfrei versendet.

 

Die Vorteile von Dropshipping

Der größte Vorteil von Dropshipping liegt für Shopbetreiber sicherlich darin, die gesamte Logistik auslagern zu können und keinerlei Lagerräume anmieten zu müssen. Im Grunde sind noch nicht einmal spezielle Büroräume nötig. Das macht den Start eines eigenen E-Commerce-Business relativ günstig: Die größten Kostenpunkte - der Einkauf eines gewissen Grundsortiments sowie Miete und Unterhalt für Lager und Büro - fallen mit Dropshipping schon einmal weg.

Verkauft sich ein Artikel über den eigenen Webshop nicht so gut, fällt das zudem nicht so schwer ins Gewicht. Denn weder musste der Händler dafür in Vorkasse gehen, noch wertvollen Lagerplatz für ihn bereitstellen. Klassische Ladenhüter, die im Lager verstauben? Gibt es nicht. Das erlaubt es auf der anderen Seite wiederum, ein breites Sortiment anbieten zu können.

Ein weiterer Vorteil von Dropshipping ist der geringe Zeit- und Personalaufwand. Da viele Arbeitsvorgänge schlicht wegfallen, braucht es auch keine entsprechenden Mitarbeiter, die sich etwa um Verpackung, Versand oder die Inventur kümmern – was wiederum Zeit einspart, die für andere Dinge wie Marketing und Kundensupport zur Verfügung steht.

Alles in allem benötigt ein Händler, der neu ins E-Commerce-Business einsteigt, mit Dropshipping also relativ wenig Startkapital, kann aber zugleich recht schnell skalieren – und das ganz bequem vom heimischen Schreibtisch aus.

 

Welche Nachteile muss ein Dropshipper in Kauf nehmen?

Die größten Nachteile des Dropshippings haben vor allem etwas mit mangelnder Kontrolle zu tun. Halten Sie gerne alle Fäden in der Hand, dürfte diese Art des Onlinehandels eher nichts für Sie sein.

Kaum Einfluss auf die Kundenzufriedenheit
Da Sie Verpackung und Versand der Ware nicht selbst steuern, haben Sie keinerlei Einfluss darauf, wann und wie sie bei Ihren Kunden ankommt. Schlimmstenfalls erhalten Sie schlechte Bewertungen, obwohl Sie selbst gar nichts dafür können. Hier hilft es, sich vorher Warenmuster schicken zu lassen oder vor Ort beim Hersteller vorbeizuschauen, damit Sie wissen, was auf Ihre Kunden zukommt.

Gewinnmargen eher gering
Natürlich will der Hersteller der Ware auch etwas vom Kuchen ab – schließlich lagert und verschickt er alles, was Sie in Ihrem Shop anbieten. Entsprechend gering fällt Ihre Gewinnmarge aus, wenn Sie die Ware nicht vollkommen überteuert anbieten wollen. Zudem ist die Konkurrenz oft groß.

Bestandsplanung abhängig vom Hersteller
Auf plötzliche Nachfragespitzen können Sie selbst nur schlecht reagieren. Sie müssen hoffen oder im besten Falle dafür sorgen, dass der Hersteller vorbereitet ist – sonst entstehen Lieferengpässe. In der Regel werden Sie dem Hersteller aber nicht sein Bestandsmanagement diktieren können. Die Folge? Ist etwas nicht lieferbar, kaufen Kunden im Zweifel woanders ein.

Unterschiedliche Bedingungen bei den verschiedenen Herstellern
Bieten Sie in Ihrem Shop Waren unterschiedlicher Hersteller an, können Lieferzeiten oder Versandkosten variieren. Im schlimmsten Fall addieren sich die Versandkosten für einen Kunden, der zwei Artikel verschiedener Hersteller bestellt. Das weiß der Kunden vorher natürlich nicht – ihm die erhöhten Kosten zu kommunizieren, kann unangenehm werden, wollen Sie den Kunden nicht verlieren. Alternativ müssen Sie die Kosten selbst übernehmen, was die ohnehin schon geringe Marge weiter schmälert.

 

Dropshipping: Das ist zu beachten

Bevor Sie sich ins Dropshipping-Abenteuer stürzen, sollten Sie sich gut vorbereiten. Folgende Themen gilt es zu beachten:

Den passenden Anbieter finden
Bei der Suche nach dem passenden Anbieter sind mehrere Dinge besonders wichtig. Zum einen sollten Sie sich vor Ort ein Bild machen und die Artikel, die Sie verkaufen möchten, genauer anschauen. Das gilt auch für Produktion und Vertrieb. Mängel oder schlechte Qualität werden aus Kundensicht immer auf Sie und Ihren Shop zurückfallen – daher gilt es, diese möglichst von vorneherein auszuschließen.

Zudem kann es nicht schaden, wenn Sie einen Großanbieter mit breitem Sortiment wählen. Ihr Unternehmen wird damit skalierbarer, da Sie Ihr eigenes Angebot jederzeit erweitern können. Zum anderen erhalten Sie so alles aus einer Hand, was sowohl die Shop-Integration erleichtert als auch Verwirrung bei den Kunden verhindert.

Im Idealfall versendet der Anbieter auch international und gibt Ihnen so die Möglichkeit, Cross Border Shopper anzulocken. Zudem bieten Ihnen manche Anbieter die Option, die Produkte mit Ihrem eigenen Branding zu versenden.

Produktauswahl
Im Grunde können Sie beim Dropshipping-Modell jedes Produkt ohne viel Risiko verkaufen – Sie müssen es ja nicht im Voraus einkaufen und lagern. Allerdings gibt es Artikel, bei denen sich Dropshipping besonders lohnt. Das sind zum einen absolute Trendprodukte, die gerade stark nachgefragt werden. Solange der Hersteller die hohe Nachfrage bedienen kann, lassen sich mit ihnen schnelle und einfache Gewinne realisieren. Sie müssen lediglich frühzeitig erkennen, welche Trends aufkommen könnten – hier hilft oft ein Blick über den großen Teich in Richtung USA.

Zum anderen sind vor allem große und schwere Artikel, die sich über diesen Weg ohne viel Aufwand an den Mann oder die Frau bringen lassen – denn Lagerung, Verpackung und Versand erledigt der Hersteller für Sie. Das gilt ebenfalls für Nischenprodukte: Deren Nachfrage ist gering, aber stetig, und die Konkurrenz ist klein. Dass diese Produkte möglicherweise lange auf Lager liegen, ist für Sie egal; Sie haben aber dennoch verlässliche Abnehmer dafür.

Gesetzliche Bestimmungen
Hier sind Dinge wie Haftung, Datenschutz oder die Verpackungsordnung zu beachten. Wichtig: Sie als Händler haften gegenüber dem Kunden, da dieser die Artikel in Ihrem Shop gekauft hat. Liefert also der Hersteller nicht, zu spät oder ein mangelhaftes Produkt, sind dennoch Sie für die ordnungsgemäße Abwicklung der Bestellung (und eine mögliche Erstattung) zuständig. Zwar können Sie selbst etwaige Regressansprüche an den Anbieter geltend machen – das ist allerdings gar nicht so einfach, wenn dieser beispielsweise in Asien sitzt.

Beim Datenschutz wiederum sollten Sie aufpassen, alle Vorgaben des BDSG zu erfüllen. Denn da Sie die Daten des Käufers für die Erfüllung des Auftrags zwangsläufig an Ihren Dropshipping-Anbieter weitergeben müssen, obwohl dieser gar nicht am Kaufvertrag zwischen Ihnen und dem Kunden beteiligt ist, müssen Sie in Ihrer Datenschutzerklärung einen entsprechenden Hinweis darauf geben.

Holen Sie sich am besten fachmännische Hilfe, bevor Sie sich für einen Anbieter entscheiden. Gerade im Ausland können andere Gesetze gelten, was das Ganze noch verkompliziert. Im Zweifel sollten Sie einen inländischen Anbieter auswählen – dieser kennt wenigstens die Gesetzeslage und rechtlichen Bestimmungen.

Retouren beim Dropshipping
Auch hier gilt: Eigentlich ist der Händler für die Rücknahme der retournierten Ware verantwortlich und nicht der Hersteller – auch wenn dieser die Ware ursprünglich verschickt hat. Als Dropshipping-Händler haben Sie aber gar kein Interesse daran, sich Ihr nicht vorhandenes Lager mit Retouren vollzupacken. Sie müssen also eine eigene vertragliche Regelung mit dem Anbieter treffen, die die Annahme von Retouren und etwaige Rückerstattungen regelt.

Das ist in der Regel kein Problem; es ist aber auch hier von Vorteil, wenn der Anbieter in Deutschland sitzt, damit der Kunde die Retoure nicht durch die halbe Welt schicken muss.

 

Fazit: Schnelle Wachstumsmöglichkeit mit kleinen Einschränkungen

Risiko, Kosten und Aufwand sind beim Dropshipping relativ gering. Wer also ohne großes Vorwissen und mit wenig Startkapital einen Onlineshop eröffnen will, findet im Dropshipping eine exzellente Möglichkeit, in die Welt des E-Commerce einzutauchen. Die Möglichkeit, eine große Produktauswahl anzubieten, ohne Lagerkosten beachten zu müssen, sorgt für eine hohe Skalierbarkeit.

Allerdings kann die mangelnde Kontrolle über die gesamte Logistik zum Nachteil werden, wenn es darum geht, mögliche Fehler des Herstellers ausbaden und dem Kunden kommunizieren zu müssen. Bei der Wahl des Dropship-Anbieters sollten Sie also sehr genau hinschauen. Das gilt auch für die rechtlichen Rahmenbedingungen.

 

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