Was Printwerbung und Pferde gemeinsam haben

28 Juni, 2017

Lukas Kindler aus dem Asendia Management erläutert, warum Sie als Onlinehändler Printwerbung keinesfalls vernachlässigen sollten.

„Wie können wir schneller in New York sein?“ Anfang des 20. Jahrhunderts wäre Folgendes wahrscheinlich die Antwort der Bewohner von Detroit gewesen: „Wir brauchen schnellere Pferde!“ Henry Ford hat zwar keine schnelleren Pferde gezüchtet, doch mit der Fließbandfertigung von Autos hat er die Transportbranche von Grund auf revolutioniert. Die niedrigeren Herstellungskosten veränderten die Transportbranche und machten Autos zu einem Massenphänomen. Pferdekutschen kamen daher schnell aus der Mode.

Ebenso wie die Transportbranche am Anfang des 20. Jahrhunderts befindet sich derzeit auch die Kommunikationsindustrie in einer disruptiven Phase.

Die Fords von gestern sind die Larry Pages von heute, die den technologischen Fortschritt auf eine ganz neue Ebene heben. Mit dem Aufkommen des Internets vor 20 Jahren hat sich die Art und Weise geändert, mit der Menschen miteinander kommunizieren. Das hat zu einem starken Rückgang der herkömmlichen Post geführt. In Industrieländern ist es inzwischen viel seltener, einen Brief zu bekommen, als auf dem Handy eine SMS, WhatsApp-Nachricht oder auch eine nur 10 Sekunden lang sichtbare Snapchat-Nachricht zu erhalten.

Bedeutet das, dass der Kommunikationsmarkt am Rande des Abgrunds steht?

Nein, auf gar keinen Fall – selbst bei „altmodischen“ Produkten birgt die Digitalisierung enormes Potenzial für die Kommunikationsindustrie. Es ist heutzutage nicht ungewöhnlich, E-Mails aus aller Welt zu erhalten. Und es gibt ja auch Sicherheitsvorkehrungen. Ob es ein nigerianischer Prinz ist, der Ihnen im Gegenzug für nur wenige Dollar ein Millionenvermögen verspricht, oder ein Sonderangebot für ein fragwürdiges Medikament: Der Großteil internationaler E-Mails landet direkt in Ihrem Spam-Ordner. Dort möchte man natürlich als seriöser Anbieter nicht landen.

Welche Maßnahmen kann man aber als Online-Händler treffen, um heutzutage dennoch ausreichend wahrgenommen zu werden?

Um nicht an Sichtbarkeit zu verlieren, vermarkten internationale Online-Händler ihre Produkte auf mehreren Kanälen. Zalando, der bekannteste Online-Modehändler aus Deutschland, druckt jetzt einen rund 100 Seiten starken Katalog. Ausgewählte Modeartikel werden ansprechend präsentiert und mit Gutscheinen und Rabatten beworben. Der Katalog, der zunächst als Pilotprojekt zur Ermittlung der Kundenreaktionen gedacht war, hat sich bald als wertvolles Tool für Zalando erwiesen, um Kunden zu erreichen.

Als weltweit größter Anbieter von Unterkünften, der selbst jedoch keine einzige Unterkunft besitzt, betreibt Airbnb ebenfalls ein reines Online-Geschäft. Auch Airbnb hat sich für den Einstieg in den Printbereich entschieden. Nachdem das Unternehmen eine Zeit lang über ein ansprechendes Magazin nachgedacht hatte, beschloss es 2016, in Partnerschaft mit Hearst, einem der größten Verlagshäuser in den USA, das „Airbnbmag“ herauszugeben. Das Magazin enthält Geschichten und echte Erfahrungen von Airbnb-Gastgebern und sollte – laut Airbnb – bei jedem Gastgeber als Inspirationsquelle auf dem Couchtisch liegen.

Nicht für alle Unternehmen ist die Kombination von Online- und Offline-Kommunikationskanälen so naheliegend, wie sie es für Airbnb und Zalando ist. Wir bei Asendia möchten durch fundierte Kenntnis der Geschäftstätigkeit unserer Kunden zu erfolgreichen und nützlichen Marketingkampagnen beitragen und somit ihre Bedürfnisse voll und ganz erfüllen. Manchmal lässt sich das eben mit „altmodischen“ Hilfsmitteln aus dem Printbereich erreichten, wie Magazinen oder Katalogen. Geschickt eingesetzt, haben Druckerzeugnisse das Potenzial, in Zukunft ein exklusives Kommunikationsmittel zu werden – ein Tool, das digitale Marketingstrategien abrundet.

Alte und neue Technologien können sich also gut ergänzen.

Eine neue Technologie muss eine ältere nicht zwingend ersetzen, sondern kann auch Möglichkeiten für die „alte Technologie“ eröffnen, einen ganz neuen Markt zu schaffen. Dies kann beim Digital- und Postweg genauso passieren, wie es schon bei den Autos und Pferden geschehen ist. Henry Ford wäre wahrscheinlich überrascht, dass die Verdrängung der Pferde durch Autos als Verkehrsmittel langfristig nicht zu einem Preisverfall bei Pferden geführt hat. Der Zuchthengst Fusaichi Pegasus wurde ein Jahrhundert, nachdem das erste T-Modell bei Ford vom Band lief, für mehr als 60 Millionen Dollar verkauft – das teuerste Auto, das je bei einer Auktion unter den Hammer kam, brachte nur ungefähr die Hälfte davon ein.

Lukas Kindler

Projektmanager Strategie

Verwandte News und Insights